Titel: Mit Lernplänen das Studium meistern – ein Interview

Mit Lernplänen das Studium meistern

Lesedauer ca. 10 Minuten

Im Laufe unseres Lebens begegnen wir vielen Veränderungen, die es erfordern, unsere bisherigen Methoden, Arbeitsweisen, Routinen und vielleicht sogar Glaubenssätze zu überdenken und anzupassen. Sei es ein Jobwechsel, der Schritt in die Selbstständigkeit, der Beginn des Ruhestands oder die Aufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung. Manchen fällt diese Veränderung leicht, für andere ist es eine große Herausforderung.

Und oft helfen uns neue Routinen und standardisierte Abläufe dabei, uns an diese ungewohnte Situation zu gewöhnen und sie nach und nach in unseren bisherigen Alltag zu integrieren. So zum Beispiel auch beim Studium.

Plötzlich kommen ganz neue Herausforderungen auf einen zu. Alles ist anders als noch zur Schulzeit. Der Unterricht findet auf ungewohnte Weise in Form von Vorlesungen statt und auch das Lernen stellt ganz neue Ansprüche an uns. Selbstmanagement und Organisation bekommen dann eine ganz andere Bedeutung.

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Ich habe mit Maria und David, zwei ehemaligen Studierenden über ihre Veränderungen und Herausforderungen im Studium gesprochen, speziell in Bezug auf das Lernen. In diesem Interview schildern sie ihre Erfahrungen, welche Fehler sie gemacht haben, was sie neu lernen mussten und wie sie ihr Selbstmanagement verändert haben. Und sie geben Tipps, wie man als Studienanfänger den Start gut meistert.

„Ich musste lernen, früh genug mit dem Lernen anzufangen.“

Interview

Wer sind Maria und David?

Maria hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften absolviert und einen Masterabschluss in Management und Marketing. Danach ist sie in ein produzierendes Unternehmen gewechselt und hat die Aufgabe der HR-Spezialistin für Learning & Development übernommen.

Auch David hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Seinen Masterabschluss hat er in Entrepreneurship und Innovation gemacht. Im Gegensatz zu Maria ist er an seiner Uni geblieben und arbeitet dort jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand.

David: Der größte Unterschied lag für mich darin, dass die Prüfungen im Studium nicht während der Vorlesungszeit stattgefunden haben, sondern erst im Anschluss. In der Schulzeit gab es während des Schuljahres diverse Prüfungen unterschiedlichster Art. Dadurch hat sich die Abschlussnote für ein Fach aus vielen kleinen Prüfungen zusammengesetzt. Im Studium hingegen zählte pro Modul nur eine einzige Prüfung – eine Klausur in der vorlesungsfreien Zeit.

Für mein Selbstmanagement im Studium hat das eine große Umstellung zur Folge gehabt. Inhalte wurden nicht mehr zeitnah abgeprüft, sondern es gab auch Inhalte, die bereits über drei Monate zurücklagen. Durch die größere Menge an prüfungsrelevanten Inhalten, hat sich dann auch der Umfang und die Intensität der notwendigen Vorbereitungen erhöht. Darum habe ich mir im Studium immer einen Lernplan gemacht, wann ich mich auf welche Inhalte vorbereiten wollte.

Maria: Auch für mich bestand der größte Unterschied darin, dass es für jedes Modul immer nur eine einzige Prüfung gab, die die komplette Benotung ausgemacht hat. Das hat den Druck für mich sehr erhöht. Zusätzlich wurden Inhalte des gesamten Semesters abgefragt. Hier musste ich also lernen, früh genug mit dem Lernen anzufangen und dabei alle Module gleichzeitig im Blick zu behalten. Dies ist mir vor allem zu Beginn meiner Studienzeit sehr schwergefallen.

Viele Klausuren wurden mit wenig Vorbereitungszeit nach der Vorlesungszeit gestellt. Dadurch war ich in den meisten Fällen sehr spät dran. Erst gegen Ende des Bachelorstudiums konnte ich in etwa einschätzen, wie lange ich brauche, um mich gut auf eine Prüfung vorzubereiten. Dann habe ich mir auch Lernpläne erstellt.

Comic, Manga Stil. Eine junge Frau sitzt in mitten von hohen Papierstapeln
Während des Studiums gibt es viel zu lernen – mit einem Lernplan geht es einfacher

Maria: Nein, das wäre aber vermutlich sehr sinnvoll gewesen. Und das hätte mir auch zu besseren Noten in den ersten Semestern verholfen. Erst gegen Ende des Bachelorstudiums habe ich dafür ein Gefühl entwickeln können. Für mein Masterstudium habe ich mir die Themen Selbstorganisation und Zeitmanagement direkt zu Herzen genommen und schon von Beginn an einen Lernplan erstellt.

David: Auch ich habe mir zu Beginn des Studiums keine bewusste Herangehensweise überlegt. Erst im weiteren Verlauf des Studiums ist mir bewusst geworden, was nötig war, um „gut“ studieren zu können. Trotzdem habe ich bis zum Ende meines Studiums ständig das Gefühl gehabt, dass es noch besser gehen könnte.

Ich habe den Fehler gemacht, dass ich die Vorlesungen nie vor- und nachbereitet habe.

David: In der Schule konnte ich mich zu Beginn der nächsten Unterrichtsstunde problemlos an die Inhalte aus der letzten Stunde erinnern, da ich häufig gut aufgepasst und den Großteil verstanden habe. Im Studium habe ich einige Dinge nicht verstanden und musste sie dann im Anschluss an die Veranstaltungen nacharbeiten.

Einige Male ist es mir passiert, dass ich in den folgenden Veranstaltungen nicht viel verstanden habe, da ich vergessen hatte, Inhalte nachzubereiten. Als neue Routine habe ich dann angefangen, die Vorlesungen, Übungen und Tutorien aktiv nachzuarbeiten.

Maria: Mir ging es zu Beginn meines Studiums genauso. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich die Vorlesungen nie vor- und nachbereitet habe. So hatte ich kurz vor den Klausuren viel Stress, weil ich es dann noch machen musste. Dadurch ist mir viel an Lernzeit verloren gegangen.

Nach den ersten zwei Jahren habe ich immer mehr angefangen, die Vorlesungen und Übungen vor- und nachzubereiten. Dies hat mir sehr dabei geholfen, in der Vorlesung mehr oder weniger alles direkt zu verstehen. Dadurch konnte ich nach dem Semester die Zeit in reines Lernen investieren.

David: Besonders schwer ist es mir gefallen, zu akzeptieren, dass man nicht perfekt vorbereitet in eine Prüfung gehen kann. In der Schulzeit wusste man meist ziemlich genau, was abgefragt wird. Dadurch konnte man sich gut darauf vorbereiten. Während des Studiums habe ich eher nach dem Pareto-Prinzip gelernt, d. h. mit vertretbarem Lernaufwand zufrieden stellende Ergebnisse zu schaffen.

Maria: Da ich etwas Prüfungsangst habe, ist es mir besonders schwergefallen, wenn ich das Gefühl hatte, nicht den gesamten Vorlesungsinhalt zu können. Ich würde sagen, dass mich das bis ans Ende meines Studiums begleitet hat. Daher bin ich auch nie unvorbereitet zu einer Prüfung erschienen.

Es war schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man gefühlt ein ganzes Buch auswendig konnte, aber dann nur ein Bruchteil davon abgefragt wurde. Mir war das auch bewusst, aber trotzdem habe ich mich immer dazu entschieden, alles bis ins kleinste Detail zu lernen.

Eine junge Frau sitzt an einem Computer. Auf dem Bildschirm ist eine Tabelle mit verschiedenen bunt markierten Bereichen abgebildet.
Strukturiertes Lernen mit Hilfe von Lernplänen kann das Studium erleichtern

Maria: Meine einzige „Technik“ war, alles auswendig zu lernen. Dazu habe ich alles handschriftlich mehrmals aufgeschrieben. Außerdem habe ich jeden Tag, das bisher Gelernte erst nochmal wiederholt, bevor ich neue Inhalte gelernt habe.

David: Wie schon erwähnt habe ich das Pareto-Prinzip angewendet, was ich als eine Art Technik bzw. Herangehensweise bezeichnen würde. Und genauso wie Maria habe ich auch in Zeitintervallen gelernt und dafür die Pomodoro-Technik genutzt. Dadurch konnte ich konzentriert und ohne Ablenkungen lernen. Und für das Auswendiglernen habe ich das Prinzip der Spaced Repetition genutzt, das die Merkfähigkeit steigert.

Maria: Ich empfehle jedem Studenten, alle Inhalte regelmäßig zu wiederholen. Ich kenne einige, die kurz vor der Klausur nicht mehr die Inhalte aus beispielsweise Kapitel 1 wussten. Das ist mein größter Tipp. Und früh genug mit dem Lernen anzufangen bzw. die Lernunterlagen immer vor- und nachzubereiten. Ich wünschte, ich hätte das schon in meinen ersten Semestern so gemacht.

David: Meine Erfahrungen mit Spaced Repetition und der Pomodoro-Technik sind gut und ich kann sie weiterempfehlen. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, „Speed Reading“ zu erlernen. Leider war ich dabei zu inkonsequent.
Studienanfängern kann ich als Empfehlung mit auf den Weg geben, sich mit Studierenden in höheren Fachsemestern auszutauschen. Dort können für die einzelnen Module oftmals Erfahrungen weitergegeben werden, die das Lernen für Prüfungen massiv erleichtern.

Ich wusste bei meinen ersten Klausuren nicht genau, wie ich lernen soll.

Maria: Gar nicht. Ich wusste bei meinen ersten Klausuren nicht genau, wie ich lernen soll. Ich habe dann selbst gemerkt, dass ich nach 10 Tagen lernen nicht mehr die Lerninhalte von Tag 1 wusste. Dadurch habe ich dann schnell das Wiederholen für mich entdeckt und es bis zum Ende meines Studiums so gemacht.

David: Ich erinnere mich nicht genau, wie ich von der Pomodoro-Technik und dem Pareto-Prinzip erfahren habe. Spaced Repetiton habe ich über ein YouTube-Video kennengelernt, in dem es um das Karteikarten-Programm „Anki“ ging.

Maria: Ich habe leider von meiner Uni keine Unterstützung in dieser Hinsicht erhalten. Ich hätte gerne im Rahmen von Seminaren etwas zum Thema Zeitmanagement und Selbstorganisation gelernt. Daher habe ich keine konkreten und wissenschaftlichen Methoden und Techniken, zumindest bewusst, angewendet.

David: Ich wurde von der Uni nicht bei der Verbesserung meines Selbst- und Zeitmanagements unterstützt. Ich habe mir die Methoden selbst angeeignet. Ich habe mir einige Videos zur Pomodoro-Technik angesehen und ein Buch zum Thema Speed Reading gelesen. Das Nutzen des Pareto-Prinzips hat sich eher ergeben, da ich nicht bereit war, mehr Zeit in mein Studium zu investieren.

Außerdem habe ich am Anfang des Studiums ein Buch gelesen, das „gutes Studieren“ bzw. das Managen des eigenen Studiums zum Thema hatte. Das hat mir in einigen Teilen geholfen.

Maria: Eher nicht. Im Job ist alles ganz anders aufgebaut als im Studium. Sowas wie Wiederholen und Auswendiglernen benötige ich dabei nicht. Ein gutes Zeit- und Selbstmanagement brauche ich aber trotzdem. Hierfür arbeite ich mittlerweile mit To-do-Listen und Kanbanboards.

Ich nutze auch Excel, da ich so alles übersichtlich und strukturiert aufschreiben kann. Dies hilft sehr, wenn ein Thema nach einem halben Jahr bspw. nochmal auftaucht. Außerdem nutze ich den Outlook-Kalender auch sehr gerne, um mir bestimmte To-dos oder Fälligkeiten in meinen Tagesablauf reinzuschreiben.

David: Die Techniken aus meiner Studienzeit helfen mir nicht bei meinem Job. Das Pareto-Prinzip beispielsweise kann ich nicht einsetzen, da ansonsten die Arbeit nicht den nötigen Qualitätsstandards entspricht. Und die Pomodoro-Technik und Spaced Repetition eignen sich eher für das Auswendiglernen von Inhalten für Prüfungen.

David: Zu Beginn des Studiums sollte man sich aktiv damit auseinandersetzen, welchen Studiengang man studiert, wie die Prüfungen aufgebaut und organisiert sind, welche Prüfungsformen einen erwarten, und – am wichtigsten – wie der eigene Anspruch an den Studienerfolg aussieht. Das hilft einem dabei, die notwendigen Maßnahmen zum Selbstmanagement und der eigenen Organisation festzulegen.

Außerdem würde ich verschiedene Methoden und Lerntechniken ausprobieren. Das erweitert den eigenen Horizont und man kann frühzeitig herauszufinden, was einem liegt.

Maria: Ich denke auch, dass sich ein Studienanfänger mit verschiedenen Lerntechniken auseinandersetzen sollte, um die für sie und ihn beste Technik zu identifizieren. Ich habe beispielsweise zu Beginn zunächst, anstatt alles handschriftlich aufzuschreiben, alles versucht, mir selbst aufzusagen. Das hat allerdings nicht so gut funktioniert und daher habe ich dann das Handschriftliche ausprobiert.

Jeder Mensch lernt anders – da gibt es nicht DIE eine, richtige Lösung. Außerdem ist es wichtig, dass man ein Gefühl dafür bekommt, wie zeitintensiv ein Modul zum Lernen ist, sodass man sich zum Beispiel einen Lernplan erstellt. Anfangs habe ich immer so lange auswendig gelernt, bis der Tag rum war. Das war sehr ineffizient und ineffektiv. Ich bin dann am Ende fast nicht rechtzeitig fertig geworden. Als ich dann angefangen habe, Lernpläne zu erstellen, habe ich noch immer 1-2 Puffertage eingebaut. Das hat sehr geholfen.


FAZIT

Ein bewusstes Selbstmanagement von Anfang an und das Ausprobieren verschiedener Lerntechniken waren für Maria und David entscheidend für einen erfolgreichen Studienverlauf. Dabei haben sie den klassischen Veränderungsprozess durchlaufen. Sie haben sich mit ihrer neuen Situation auseinandergesetzt, ihre Herausforderungen erkannt und sich dann Schritt für Schritt weiterentwickelt. Ein guter Lernplan war für beide dafür ein nützliches Werkzeug.

Wenn man bereit ist, sich bei neuen Herausforderungen zu verändern und Neues zu lernen, ist man auch für andere Situationen gut gerüstet. Und Veränderung passiert ständig. Es ist daher nie verkehrt, diese Fähigkeiten so früh wie möglich zu erlangen.

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Titelbild: Nightcafé Image Creator

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2 Kommentare zu „Mit Lernplänen das Studium meistern“

  1. Lieber André, vielen Dank für Deine spannenden Fragen, die mir bei der Reflexion meiner Studienzeit geholfen haben. Grundsätzlich führen natürlich viele Wege nach Rom und es gibt verschiedene Lerntypen – eine vorherige Auseinandersetzung mit dem Zeit-, Selbst- und Projektmanagement bietet aber in jedem Fall einen Mehrwert. Dein Blog bietet mit den bisherigen Beiträgen einen guten Ausgangspunkt, um sich zurechtzufinden. Ich bin gespannt, wohin die weitere Reise geht. Viele Grüße, David

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