Die Fäden einer Marionette werden mit eine Schere durchtrennt

Social Media? Nur noch nach meinen Regeln

Für eilige Leser: Alles Wichtige im Überblick

  • Nicht jede Plattform verdient deine Zeit: Facebook und Pinterest habe ich aussortiert.  
  • Klare Regeln wirken: Mit vier LinkedIn-Spielregeln bin ich von ein bis zwei Stunden auf zehn Minuten am Tag gekommen.
  • Ein Profil muss nicht ständig bespielt werden
  • Eigene Kanäle statt Algorithmus: Blog, Newsletter und Veranstaltungen sind echte Alternativen zu Social Media für Selbstständige.
  • Social Media reduzieren geht beruflich wie privat: Vier Regeln und eigene Limits helfen dir dabei.

Ausführlicher erfährst du alles Wissenswerte über Alternativen zu Social Media in diesem Artikel.

„Ich komme mir schon lange vor wie eine Marionette des Algorithmus.“

Diesen Satz hat jemand unter meinen Post zum ersten Teil dieser Serie geschrieben. Ausgerechnet auf LinkedIn.

Ich fand den Vergleich so passend, dass ich ihn mir direkt für den Einstieg hier ausgeliehen habe. Denn er beschreibt ziemlich genau, wie es mir jahrelang ging. Und auch wenn manche sagen, der Algorithmus sei ihnen egal: Am Ende versuchen doch alle, ihm zu gefallen.

Im ersten Teil habe ich erzählt, woher mein Social-Media-Frust kommt: zu viel Zeit, zu wenig Nutzen und vor allem ein System, das gegen meine Werte läuft. Hier geht es zu Teil 1 und meinem Social-Media-Frust.

Bleibt die Frage: Und jetzt? Ganz raus aus Social Media? Oder nur ein bisschen?

Meine Antwort ist nicht radikal. Ich verschwinde nicht von heute auf morgen komplett von Social Media. Aber ich durchtrenne einige Fäden. Und ich stecke meine Zeit lieber in Kanäle, die mir gehören.

In diesem Beitrag zeige ich dir, was ich gestrichen habe, was bleibt und nach welchen Regeln. Und welche Alternativen zu Social Media ich als Selbstständiger nutze, um trotzdem sichtbar zu bleiben.

Vielleicht hängst du auch an ein paar Fäden. Ob beruflich oder privat. Dann findest du hier vielleicht ein paar Anregungen für dich, wie du sie durchtrennen kannst.

Wie ich in die Social-Media-Falle getappt bin

Sichtbarkeit. Das war der Hauptgrund für mich, auf Social Media aktiv zu werden. Vor meiner Selbstständigkeit war ich auf den bekannten Plattformen quasi nicht existent. Ich hatte zwar einen LinkedIn-Account, habe dort aber praktisch nichts gemacht.

Doch mit dem Start meines Business kamen von überall diese Stimmen und Ratschläge: „Du musst unbedingt auf Social Media sein, um sichtbar zu sein und Kund:innen zu gewinnen.“ Also richtete ich mir einen Facebook-Account ein, meldete mich bei Instagram an und startete sogar bei Pinterest.

Meine Vorstellung: Wenn ich nur genug poste, kommen die Interessent:innen von allein. Dass es so einfach nicht ist, merkte ich schnell. Denn Content zu produzieren ist Arbeit. Viel Arbeit.

Ich probierte Formate, Themen und Schreibstile aus, fand aber nie einen Weg, der mir wirklich Spaß machte. Es war vielmehr Stress. Ein Zustand, den ich lange für normal hielt. Schließlich gehört das ja dazu, oder etwa nicht?

Und bei dir?
Warum bist du eigentlich auf Social Media? Weil du es willst oder weil „man da halt sein muss“? Bist du wirklich mit einem klaren Ziel dort oder nur noch aus Gewohnheit?

Irgendwann war für mich klar: So geht es nicht weiter. Ich will diese Fäden ganz bewusst durchtrennen.

Inventur: Was bleibt, was geht?

Also ist es Zeit für eine Bilanz. Aus meiner Zeit als Lean-Manager kenne ich dafür ein einfaches Prinzip: 5S. 5 Schritte zu mehr Struktur und Ordnung. Der erste Schritt ist dabei das Selektieren. Bevor man aufräumt, schaut man sich alles genau an und trennt das, was man wirklich braucht, von dem, was nur Platz wegnimmt.

Wenn du mehr über das 5S-Prinzip erfahren möchtest, dann schau dir diesen Beitrag an: Schreibtisch organisieren leicht gemacht: Die 5S-Methode

Genau das habe ich mit meinen Social-Media-Kanälen gemacht und mir dabei vier Fragen gestellt:

  • Wo bin ich wirklich aktiv?
  • Was sind die positiven Aspekte der Plattform?
  • Worauf kann ich sofort verzichten?
  • Von welcher Plattform will ich (noch) nicht weg?

Erstaunlicherweise fielen mir die Antworten leichter, als ich gedacht hatte.

Pinterest?
Kann sofort weg. Nutze ich auch privat nicht. Das ist einfach nicht meine Welt.

Facebook?
Mich hat schon länger gestört, was ständig in meine Timeline gespült wird: Stammtischparolen, politisch fragwürdige Inhalte, lieblose KI-Inhalte. Kein Ort, an dem ich mich wohlfühle. Also: gelöscht.

LinkedIn?
Auch hier gibt es einiges, was mir nicht gefällt. Doch es gibt einen wichtigen Grund, warum ich dieses Netzwerk (noch) nicht verlassen möchte: meine Kontakte. Auch wenn sich bisher keine Aufträge über LinkedIn ergeben haben, habe ich dort etliche gute Kontakte zu anderen Soloselbstständigen und Institutionen geknüpft. Der Austausch ist sehr wertvoll und nichts, was ich einfach kappen möchte.

Instagram?
Hier bin ich ehrlich gesagt auch nie richtig angekommen. Löschen möchte ich das Profil trotzdem nicht. Es bekommt eine neue Aufgabe.

Bleiben also LinkedIn und Instagram. Aber nicht so wie bisher.

Und bei dir?
Stell dir diese vier Fragen selbst mal. Als Selbstständige:r für deine Kanäle, privat für die Apps auf deinem Handy. Und vielleicht stellst du fest, dass du auf manches viel leichter verzichten kannst, als du dachtest.

Customers served! Nur rund 0 % der Erwerbstätigen in Deutschland nutzen LinkedIn mindestens einmal im Monat.*

Neue Spielregeln für LinkedIn und Instagram

Beide übrig gebliebenen Plattformen bekommen daher eine klare Aufgabe und klare Grenzen.

LinkedIn: Austausch statt Reichweite

„Ich poste auf LinkedIn nicht, weil ich muss, sondern nur dann, wenn ich will.“

Dieser Satz fasst meinen künftigen Umgang mit LinkedIn und weniger Social Media gut zusammen. Was sich vorher nach Pflicht anfühlte und Stress verursachte, soll künftig leicht von der Hand gehen. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.

Damit das nicht nur ein guter Vorsatz bleibt, habe ich mir ein paar Spielregeln gegeben:

Meine LinkedIn-Spielregeln

  • 15 Minuten am Tag. Mehr nicht.
  • Ich poste, wenn ich etwas zu sagen habe. Nicht, weil der Algorithmus es erwartet.
  • Impressions, Likes und Kommentare zählen nicht mehr. Ich schaue sie mir schlicht nicht an.
  • Gespräche statt Reichweite. Ich kommentiere, was mich wirklich interessiert, und pflege lieber den Austausch mit Menschen, die mir wichtig sind.

Seit rund vier Wochen halte ich mich an diese Regeln. Das Ergebnis: statt ein bis zwei Stunden verbringe ich nur noch rund zehn Minuten am Tag auf LinkedIn. 

Instagram als digitale Visitenkarte

Mein Instagram-Profil baue ich zu einer digitalen Visitenkarte um, mit einmalig erstelltem Content. Keine regelmäßigen Stories, keine Reels, nur ein paar Postings über mich und mein Business.

Der Vorteil: eine Visitenkarte muss nicht ständig neu bespielt werden. Sie muss nur zeigen, wer ich bin und wobei ich helfe.

Und bei dir?
Welche Regeln würden dir gut tun? Ein paar Ideen, die beruflich wie privat funktionieren:

  • eine feste Zeit am Tag statt ständig zwischendurch
  • Benachrichtigungen ausschalten
  • die App vom Startbildschirm deines Handys verbannen

Schreib dir deine Regeln auf. Was schwarz auf weiß steht, hält länger.

Alternativen zu Social Media: Was ich stattdessen mache

Natürlich muss ich mich als Selbstständiger präsentieren. Schließlich will ich für meine potenziellen Kund:innen sichtbar sein. Nur eben dort, wo ich selbst bestimme, was mit meinen Inhalten passiert. Was sind also meine Alternativen?

Mein Blog: Inhalte, die bleiben

Zuallererst meine Website und mein Blog. Und genau dort befindest du dich gerade.

Ein Blog hat viele Vorteile. Der Inhalt ist beständiger und kann auch nach Jahren noch gelesen werden. Jede:r kann sich ein Lesezeichen setzen oder den RSS-Feed abonnieren und jederzeit hierher zurückkehren. Außerdem kann ich bestehende Beiträge aktualisieren und miteinander verlinken und so für alle Lesenden einen noch größeren Wert schaffen.

Und ein Blog passt zu meinen Werten. Klar, Algorithmen spielen auch hier eine Rolle. Ohne Google und KI würden mich nur wenige finden. Aber wer einmal hier ist, liest meinen Text in Ruhe, ohne dass ein Feed dazwischenfunkt. Das ist für mich Augenhöhe. Und ein Text, der bleibt, statt nach wenigen Sekunden im Nirvana zu verschwinden, ist für mich auch eine Form von Wertschätzung. Für dich als Leser:in und für meine eigene Arbeit.

Deshalb stecke ich meine Zeit lieber in guten und dauerhaften Content auf meiner Website. Und auch wenn es meinen Blog bereits seit 2023 gibt und ich die passende Form noch nicht final gefunden habe, steht für mich fest: Er wird zukünftig persönlicher, mit mehr Erfahrungsberichten und neuen Perspektiven. Diese Serie ist der erste Schritt.

Mein Newsletter: direkt ins Postfach

Noch näher dran an den Menschen bin ich mit meinem Newsletter. Für mich ist er eine gesunde Mischung aus den positiven Seiten eines sozialen Netzwerks und der inhaltlichen Tiefe eines Blogs. 

Trotzdem bin ich auch hier nach fast drei Jahren noch auf der Suche nach der richtigen Form. Was weiß ich eigentlich über meine Lesenden? Wer sind sie? Was hat sie zu mir geführt? Und welchen Mehrwert kann ich ihnen bieten?

Gleichzeitig frage ich mich selbstkritisch: Was wissen meine Abonnent:innen eigentlich über mich? Wer steckt hinter dem Text, der regelmäßig ins Postfach flattert?

Für mich bedeutet das: Der Newsletter wird sich verändern. Nicht radikal, sondern im Detail. Wie genau? Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber es wird passieren.

Du hast meinen Newsletter noch nicht abonniert? Dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. So kannst du seine Weiterentwicklung live mitverfolgen und mit gestalten. Zur Newsletter-Anmeldung

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Offline sichtbar: Bühne statt Bildschirm

Bei Sichtbarkeit denken viele automatisch ans Internet. Website, Anzeigen, Social Media und Blog sind die offensichtlichsten Wege. Doch es gibt auch noch eine Welt außerhalb des Internets.

Kongresse, Foren, Barcamps oder Messen bieten genauso die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Vielleicht sogar auf einer Bühne zu stehen und sich und sein Business zu präsentieren.

Das PM-Forum 2026 in München zum Beispiel war für mich eine tolle Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und mich auf der Bühne zu zeigen. Das ist meiner Meinung nach mehr wert als jeder Social-Media-Post. Und im direkten Gespräch kommen meine Werte Neugierde, Hilfsbereitschaft und Humor ganz von allein ins Spiel.

Vorträge: Eine Alternative zu Social Media

Vorträge als Alternative zu Social Media

Das möchte ich im nächsten Jahr auf jeden Fall intensivieren. Die ersten Schritte sind gemacht: Auf meiner Website gibt es eine eigene Seite zu meinen Vorträgen, und gerade suche ich gezielt nach passenden Veranstaltungen für 2027. Und wenn du eine Veranstaltung kennst oder organisierst, zu der ich gut passen würde: Melde dich gern bei mir.

Und bei dir?
Als Selbstständige:r: Was du auf deiner eigenen Website oder in deinem Newsletter aufbaust, gehört dir, egal was der Algorithmus macht. Welchen eigenen Kanal könntest du also stärken?

Und privat: Was könnte das Scrollen ersetzen? Vielleicht eine persönliche Nachricht an einen Menschen statt eines Likes. Oder ein Treffen statt eines Kommentars.

Fazit: Faden für Faden

Es gibt keinen Schalter, den ich einfach umlege, um mich von Social Media zu verabschieden. Ich durchtrenne stattdessen einige Fäden der Marionette.

Manche mögen sagen, das sei nicht besonders konsequent. Aber ich glaube, es gibt mehr als nur Schwarz und Weiß. Wie in anderen Bereichen meiner Selbstständigkeit bin ich auch bei diesem Thema auf einer Reise. Jeden Tag lerne ich dazu, festige Meinungen, ändere Ansichten oder schlage neue Wege ein.

Das ist für mich völlig in Ordnung. Schließlich ist mein Motto: Pragmatismus statt Perfektionismus. Aber es muss sich gut anfühlen. Und daran arbeite ich jeden Tag.

Und du?
Welchen Faden würdest du als Erstes durchtrennen?

*) Eigene Berechnung auf Basis von LinkedIn (DSA-Bericht, 1. Halbjahr 2026) und Statistischem Bundesamt (2025)

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Hi, ich bin André!

Ich bin Prioritäten-Coach aus Haan im Rheinland. Seit über 25 Jahren helfe ich Menschen dabei, sich und ihre Arbeit besser zu organisieren: klarer priorisieren, strukturierter arbeiten, digital aufgeräumt sein.
In meine Artikel lasse ich meine Erfahrungen als Biologe, Lean Manager in der Industrie und Coach einfließen. Hier erfährst du Wissenswertes rund um die Themen Zeitmanagement, Selbstführung, Teamorganisation, Stressbewältigung und Veränderung. Ich stehe für Pragmatismus statt Perfektionismus. Das gilt für meine Arbeit genauso wie für die Tipps auf dieser Website.

2 Kommentare zu „Social Media? Nur noch nach meinen Regeln“

  1. Hey, André! Ich find’s sehr spannend, dass Du Deine Learnings zu Social Media hier in Deinem Blog festhältst. Das meiste erlebe ich ähnlich wie Du. Wobei ich gerade dem Fediverse eine Chance gebe, das frei von Algorithmen ist und deshalb ganz anders (besser) funktioniert als die Plattformen von Big Tech.

    Ich freu mich schon auf viele weitere Beiträge von Dir! (Hab auch Deinen RSS-Feed abonniert 🙂 )

    Liebe Grüße
    Lars

    1. Hi Lars, vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, es ist gut, dass es auch Algorithmen-freie Inseln im Internet gibt. Und hoffentlich wird sich das immer mehr rumsprechen und sich dann auch zu einer ernsthaften Alternative zu Big Tech entwickeln.

      Beste Grüße
      André

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