Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich wohlwollend

Feedback annehmen und nutzen – So gelingt es dir

Es gibt Momente, da weiß man genau, dass es gut war. Und meist merkt man auch, wenn es nicht so gelaufen ist, wie vorher geplant. Doch in manchen Situationen ist man sich einfach nicht sicher oder liegt mit der eigenen Einschätzung vielleicht völlig anders, als alle anderen. Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen dann deutlich auseinander.

In solchen Momenten ist Feedback von entscheidender Bedeutung.

Ich selbst hatte genau so einen Moment. Ich hatte zum ersten Mal einen Workshop durchgeführt, den ich in dieser Form noch nie gemacht hatte: neues Konzept, neues Hauptthema, neue Inhalte. Alles war gut vorbereitet und die Veranstaltung lief ohne nennenswerte Probleme ab. Trotzdem hatte ich hinterher das Gefühl, dass der Workshop nur durchschnittlich war.

Wie bei jeder meiner Veranstaltungen hatte ich die Teilnehmenden auch bei diesem Workshop gebeten, mir im Nachgang ein kurzes Feedback zu senden. Und glücklicherweise bekam ich auch von vielen eine Reaktion. Und ich war überrascht.

Die Rückmeldungen waren alle durchweg sehr positiv und teilweise auch überraschend. Es wurden Aspekte genannt, die ich selbst gar nicht als besonders erwähnenswert erachtet hatte oder von denen ich dachte, dass ich sie nicht optimal rübergebracht hätte. Doch genau diese wurden als sehr positiv bewertet. 

Und mit einem Mal lösten sich meine Zweifel in Luft auf. Und sie brachten mich zum Nachdenken. Warum war meine Selbsteinschätzung so anders als das Feedback der Teilnehmenden? Wie wichtig ist Feedback überhaupt? Wie gibt man hilfreiches Feedback und wie nimmt man es so an, dass es einem selbst hilft? Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Was ist Feedback eigentlich – und was nicht?

Viele Menschen verbinden Feedback mit Kritik oder Beurteilung. Und auch wenn du es als diejenige Person, die das Feedback erhält, vielleicht wie ein Urteil zu deiner Person oder deiner Leistung wahrnimmst, so ist es das ganz und gar nicht. Es ist vielmehr ein Spiegel dessen, was andere über dich wahrgenommen und interpretiert haben. Es ist die Sichtweise von Menschen, die dich in einer Situation erlebt haben und zwar aus einer Perspektive, die du selbst nie einnehmen kannst. Und das ist sehr wertvoll. Denn es ergänzt deine eigene Wahrnehmung um Informationen von außen. Und beides kannst du dann sinnvoll gegenüberstellen und ergänzen.

Hilfreich ist es dabei, sich klar zu machen, dass es verschiedene Arten von Feedback gib, die jeweils ihre eigenen Merkmale haben und dir unterschiedliche Informationen liefern.

Konstruktives Feedback

Zielt darauf ab, konkrete Verbesserungen zu ermöglichen. Es ist sachlich, spezifisch und zukunftsorientiert. Es beschreibt eine Beobachtung und zeigt einen möglichen Weg nach vorne.
Beispiel: "Der Einstieg in den Workshop war stark, aber der mittlere Teil war für mich etwas zu dicht gepackt. Vielleicht könnte eine kurze Pause dort helfen."
Konstruktives Feedback ist das Wertvollste, weil es einem etwas Konkretes gibt, mit dem man arbeiten kann.

Lob

Ist ein positives, bestätigendes Feedback. Dadurch erfährst du, was gut funktioniert hat. Genau diese Dinge sollte man beibehalten und ausbauen. Schwierig ist es, wenn Lob unspezifisch ist ("Es hat mir gut gefallen"). Das gibt dir zwar ein gutes Gefühl, enthält aber keinerlei verwertbare Informationen.
Spezifisches Lob hingegen ("Deine ruhige, strukturierte Art hat mir geholfen, dem Tempo gut zu folgen") gibt dir konkrete Anhaltspunkte, die du stärken kannst.

Kritik

Zeigt auf, was nicht funktioniert hat, ohne direkt eine Lösung mitzuliefern. Kritik ist nicht grundsätzlich schlecht oder unfair, sondern kann berechtigt sein. Ob sie nützlich für dich ist, hängt stark davon ab, wie konkret sie formuliert ist. "Das war mir zu konfus" ist wenig hilfreich. "Die Kapitelreihenfolge hat es mir schwer gemacht, den roten Faden zu erkennen" ist schon deutlich verwertbarer.

Meinung

Ist eine subjektive Einschätzung, die manchmal vor allem mehr über die Person aussagt, die sie äußert und nicht unbedingt über dich.
Beispiel: "Ich mag keine Gruppenübungen". Denn solche Aussagen liefern dir keine verwertbaren Informationen zur Verbesserung.
Trotzdem können Meinungen relevant sein, wenn sich zum Beispiel ähnliche Meinungen häufen. Dann steckt möglicherweise ein Muster dahinter, das du hinterfragen kannst.

Egal in welcher Form du dein Feedback bekommst, die entscheidende Frage ist immer: Bekomme ich hier eine Information, die mir hilft, mich zu verbessern oder die mir zeigt, wie ich auf jemanden gewirkt habe? Beides ist wertvoll.

Grafik zweier Personen, die sich unterhalten. Darüber ene Sprechblase mit einer Sternebewertungsskala

Warum schätzen wir uns selbst so oft falsch ein?

Wie immer, wenn es um Kommunikation, Selbstwahrnehmung und Interpretation geht, spielt die Psychologie eine große Rolle. Mit den folgenden Konzepten und Effekten lässt sich die Wichtigkeit von Feedback sehr gut veranschaulichen.

Das Johari-Fenster und der blinde Fleck

In den 1950er Jahren haben die beiden Psychologen Joseph Luft und Harry Ingham das Johari-Fenster als Modell zur Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung entwickelt. In diesem wird das, was über eine Person bekannt ist, in vier Felder unterteilt.


Mir bekannt

Mir unbekannt

Anderen bekannt

Offene Arena

Blinder Fleck

Anderen unbekannt

Verborgenes

Unbekanntes

Offene Arena: Was ich über mich weiß und was andere auch sehen, z.B. meine Arbeitsmethoden, mein Kommunikationsstil.

Blinder Fleck: Was andere an mir wahrnehmen, ich selbst aber nicht, z.B. eine Angewohnheit, die andere irritiert, ohne das ich es merke.
Feedback ist das wichtigste Werkzeug, um diesen blinden Fleck zu verkleinern. Wenn du regelmäßig Feedback einholst und offen damit umgehst, vergrößerst du deine offene Arena.

Verborgenes: Was ich über mich weiß, aber nicht zeige – bewusst oder unbewusst.

Unbekanntes: Was weder mir noch anderen bewusst ist, wie z.B. unbewusste Muster oder schlummernde Talente.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Selbsteinschätzung kann trügerisch sein. Das zeigt besonders der Dunning-Kruger-Effekt, der von den Psychologen David Dunning und Justin Kruger im Jahr 1999 beschrieben wurde und mittlerweile eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Der Effekt beschreibt ein kognitives Muster in zwei Richtungen.

Menschen mit geringem Wissen oder Können auf einem Gebiet neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Warum? Weil ihnen schlicht das Wissen fehlt, um ihre eigenen Lücken zu erkennen.

Menschen mit hohem Wissen oder Können bei einem Thema neigen hingegen dazu, sich zu unterschätzen. Weil sie wissen, wie viel es noch zu lernen gibt, gehen sie davon aus, dass andere ähnlich viel oder wenig wissen.

In beiden Fällen ist Feedback von entscheidender Bedeutung. Wer glaubt, schon alles zu wissen, fragt seltener nach Feedback, obwohl es gerade dann besonders wichtig ist. Und wer sich unsicher fühlt, unterschätzt vielleicht, wie gut er oder sie bereits ist. Und dann hilft Feedback als Bestätigung in die andere Richtung.

Und genau das habe ich bei meinem eingangs erwähnten Workshop selbst erlebt. ich hatte die Veranstaltung im Nachhinein als durchschnittlich bewertet und war dann gleich doppelt überrascht: Zum einen, wie positiv das Feedback der Teilnehmenden insgesamt war. Zum anderen, welche konkreten Aspekte besonders gelobt wurden. Dinge, die ich selbst als selbstverständlich angesehen hatte oder bei denen ich dachte, sie seien nicht optimal gelaufen.

Ich hatte mich in meiner Selbstwahrnehmung selbst unterschätzt. Und das Feedback der Teilnehmenden hat diesen blinden Fleck sichtbar gemacht. Es hat mir gezeigt, wo meine Stärken liegen.

Und es hat noch etwas bewirkt: Ich habe auf Basis des Feedbacks konkrete Änderungen am Workshop-Konzept vorgenommen. Denn die Rückmeldungen haben mir gezeigt, was die Teilnehmenden besonders wertvoll fanden, so dass ich es beim nächsten Mal noch stärker in den Vordergrund stellen kann.

TIPPS & TRICKS IN DEIN POSTFACH

MANAGE DICH SELBST NEWSLETTER

Der Newsletter für alle, die ihren Alltag leichter und effizienter gestalten wollen.

Selbstreflexion: Wie kann ich Feedback für mich nutzen?

Feedback steht nie für sich alleine, sondern ist immer Teil einer Selbstreflexion. Rückmeldungen sind Ergänzungen deiner eigenen Überlegungen und Sichtweisen und können dir dabei helfen, Erlebtes einzuordnen, zu bewerten und daraus Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Und Selbstreflexion ist eine Fähigkeit, die man aktiv üben kann. Regelmäßige Selbstreflexion braucht eine klare Struktur. Denn spontanes Nachdenken hilft meist nur wenig. Regelmäßige und gezielte Reflexion hingegen kann zu echten Erkenntnissen führen. Das kann in Form von Journaling stattfinden, in bestimmten Rückblick-Stunden, die du dir in deinem Kalender reservierst oder in regelmäßigen Feedback-Ritualen.

Für mich gehört das Einholen von Feedback zu jedem Meeting, jeder Coaching-Session und jedem Training oder Workshop dazu. Das kann im direkten Gespräch mit den Teilnehmenden im Anschluss an die Veranstaltung sein, oder auch in Form eines kleinen Fragebogens oder Feedbackformulars, das die Teilnehmenden im Anschluss erhalten (digital oder auf Papier).

Wie hole ich Feedback ein, das mich wirklich weiterbringt?

Die Art und Qualität des Feedbacks kannst du ein Stück weit selbst steuern. Mit den folgenden konkreten Handlungen erhältst und verarbeitest du Feedback so, dass es dich weiterbringt. Natürlich helfen dir diese Tipps auch beim Feedback geben.

  • Frage konkret, nicht allgemein. „Was hätte besser sein können?“ statt „Hat es dir gefallen?“.
  • Lass Feedback erst wirken, bevor du reagierst. Verteidige dich nicht sofort oder relativiere. Mit etwas zeitlichem Abstand wirkt Feedback oft wertvoller.
  • Suche bewusst nach dem blinden Fleck. Frage Menschen, die dich gut kennen und denen du vertraust. Sie sind meist ehrlich und direkt.
  • Trenne Feedback von Emotion. Es geht um deine Arbeit oder dein Angebot, nicht um dich als Person.
  • Schreib es auf. Mündliches Feedback verpufft schnell.

Fazit: Feedback ist kein Urteil, es ist ein Baustein zur Weiterentwicklung

Jedes Feedback ist wertvoll, wenn man weiß, wie man es annimmt und für sich übersetzt. Egal ob positiv oder negativ: Rückmeldung gibt dir immer Informationen über Dinge, die du noch nicht weißt. Und das hilft dir, um zu wachsen, es beim nächsten Mal besser oder anders zu machen und dir selbst ein besseres Gefühl dafür zu geben, was gut funktioniert.

Mein Tipp: Fang klein an. Frag nach deinem nächsten Meeting, deiner nächsten Präsentation oder deinem nächsten Projekt gezielt nach Rückmeldung. Mach es konkret und offen. Du wirst überrascht sein, was du erfährst.

Und vielleicht ist es für dich auch ein Ansporn, nicht nur häufiger nach Feedback zu fragen, sondern auch selbst öfter und bewusster Feedback zu geben. Gut und wertvoll formuliert, kannst du auch einen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen um dich herum daran wachsen.

Titelfoto von Christina @ wocintechchat.com M auf Unsplash

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn gerne mit deinem Netzwerk!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen
Success message!
Warning message!
Error message!